Barbaraweg in Prottes

In Prottes starte ich beim Parkplatz hinter dem Spielplatz und gehe zunächst an mehreren traditionellen Weinkellern vorbei. Ein Feldweg führt mich durch die Weinberge sanft bergauf zum Barbarakreuz. Dieses markante große Kreuz ist der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, gewidmet und erinnert zugleich an die lange Tradition der Erdöl- und Erdgasförderung in dieser Region. Von hier oben eröffnet sich ein weiter Blick über die sanft hügelige Landschaft des Weinviertels.

Anschließend folge ich dem Barbaraweg, der mich weiter durch Weingärten und schließlich durch ein schattiges Waldstück führt. Beim Abstieg halte ich mich links hinunter Richtung Schießstätte. Dort bleibe ich rechts und steige auf den OMV Öl- und Gaserlebnisweg ein. Entlang dieses thematischen Pfades informieren mehrere Stationen über die Geschichte und Technik der regionalen Öl- und Gasförderung.

Der Weg führt mich bergauf zum Schneiderkreuz, wo – ebenso wie beim Barbarakreuz – ein ausgedientes Förderexponat der OMV steht und anschaulich zeigt, wie Erdöl und Erdgas hier früher gewonnen wurden. Über einen asphaltierten Weg geht es schließlich vorbei an der Hundezone wieder zurück nach Prottes.

Winterrunde von Jedenspeigen nach Sierndorf

Mein Nachmittagsspaziergang beginnt am Bahnhof Jedenspeigen. Von dort gehe ich gemütlich in den Ort hinein und steige bei der Kellerei Sperk in die Jedenspeiger Kellergasse hinauf. Die Presshäuser liegen still, nur vereinzelt steigt Rauch aus den Kaminen – eine typische Stimmung für die kalte Jahreszeit.

Ich folge dem „Vom Wasser zu Wein“-Wanderweg, der mich stetig bergauf zur Papstkapelle führt. Die kleine Kapelle erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Weinviertel und ist zugleich ein beliebter Aussichtspunkt. Von hier öffnet sich der Blick weit über die Marchlandschaft, bei klarer Sicht bis zu den Kleinen Karpaten, die sich wie ein dunkler Rücken am Horizont abzeichnen.

Hinter dem Wasserbehälter auf dem Goldberg komme ich an einem alten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg vorbei, den man noch betreten kann. Im Inneren hängt ein Schild mit den Namen der damaligen Besatzung: meist ganz normale Bürger aus der Umgebung, die hier zum Dienst eingeteilt waren, um gegen Ende des Krieges russische Flugzeuge zu bekämpfen. Der Ort wirkt heute still und friedlich – und daneben steht das Vogtkreuz.

Der Weg führt weiter, stellenweise tiefwinterlich und von gefrorenen Spuren gezeichnet. Ich halte bei Maria Bründl inne – einer kleinen, traditionsreichen Andachtsstätte mit einer Quelle, die früher als heilkräftig galt. Noch heute ist sie ein Platz der Ruhe und Besinnung, etwas abseits der großen Wege.

Von dort geht es weiter zum Sierndorfer Kellerberg, einer der markanten Kellergassen der Region. Die dicht aneinandergereihten Presshäuser erzählen von der langen Weinbaugeschichte des Ortes. Vor der Kirche ist eine liebevoll gestaltete Krippe aufgebaut, die dem Platz eine besonders warme Atmosphäre verleiht.

Unten im Ort, vor der Feuerwehr, herrscht lebendiges Treiben: Viele Familien mit Kindern haben sich um einen kleinen Eislaufplatz versammelt, Gelächter und Stimmen erfüllen die kalte Luft. Die Bahnhaltestelle ist von hier nicht mehr weit – ein stimmiger Abschluss für einen abwechslungsreichen und nachdenklichen Winterspaziergang.

Dürnkrut nach Jedenspeigen

Ich starte am Bahnhof von Dürnkrut. Klirrende Kälte liegt in der Luft, feiner Schnee fällt lautlos vom Himmel. Durch den stillen Ort marschiere ich vorbei am Schloss Dürnkrut. Hinter der Kirche steige ich bei den alten Weinkellern hinauf zu den Erdställen – jenen geheimnisvollen Gängen unter der Erde, deren Zweck bis heute Rätsel aufgibt.

Hier oben weiß man: Diese schmalen, nur kriechend passierbaren Tunnel wurden im Hochmittelalter angelegt. Keine Feuerstellen, kein Ruß, keine Spuren von dauerhaftem Aufenthalt – und doch sind sie da. Manche vermuten Zufluchtsorte in Zeiten von Überfällen, andere sehen in ihnen rituelle Rückzugsräume, Orte des Verschwindens und Wiederauftauchens. Wer sich hier hineinzwängt, verschwindet für einen Moment völlig aus der Welt. Vielleicht war genau das ihre eigentliche Funktion.

Der Weg führt weiter bergauf, immer geradeaus, bis ich die Hubertuskapelle oberhalb des Kirchenbergs erreiche. Hier halte ich mich rechts, überquere die Mistelbacher Straße und wandere durch winterlich kahle Weingärten hinauf zum Leidwein-Kreuz. Von hier öffnet sich der Blick weit über das Land – bis hinüber zu den Kleinen Karpaten jenseits der March. Heute wirkt alles friedlich, fast zeitlos.

Doch dieser Eindruck täuscht. Unten in der Ebene, zu der ich nun absteige, wurde Geschichte mit Gewalt geschrieben. An der Bernsteinstraße steht das große Schlachtendenkmal, das an die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen im Jahr 1278 erinnert. Hier prallten zwei Weltbilder aufeinander: Ottokar II. von Böhmen, reich, mächtig, siegessicher – und Rudolf von Habsburg, politisch geschickt, aber militärisch zunächst unterlegen.

Die Entscheidung brachte ein Moment, der bis heute nachhallt: der überraschende Angriff der ungarischen Reiterei, die Rudolfs Heer unterstützte. Ottokars Reihen brachen, der König selbst fiel auf dem Schlachtfeld. Mit ihm endete nicht nur ein Leben, sondern eine Epoche. Aus dem Sieg Rudolfs erwuchs die Habsburgerherrschaft, die Österreich für mehr als sechs Jahrhunderte prägen sollte.

Ich folge nun dem Dreikönigsweg, mache aber einen weiten Bogen über die offenen Felder. Der Winterabend legt sich über die Landschaft, und kaum etwas erinnert noch an das einstige Getöse von tausenden Pferden, Waffen und Rüstungen. Eine Reiterin kommt mir entgegen und weist mir freundlich den richtigen Weg – ein stilles Echo der Geschichte, das mich schmunzeln lässt.

Durch einen schmalen Hohlweg oberhalb von Schloss Jedenspeigen gelange ich schließlich hinab in den Ort. Hinter mir liegen geheime Gänge unter der Erde und ein Schlachtfeld, auf dem Europa seine Richtung änderte. Vor mir nur Stille, Kälte – und das Gefühl, durch eine Landschaft gegangen zu sein, die mehr weiß, als sie preisgibt.