Buch Tipp: Wanderlust Österreich: 300 Traumpfade für Gipfelstürmer und Flachlandentdecker

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Zur Ruine Türkensturz


Am Bahnhof Seebenstein brechen wir zu unserer Wanderung auf und kommen vorbei an der Pizzeria in den Ort. Durch das Bragança-Gasserl, das um 1900 eigens für den Kirchgang der portugiesischen Königsfamilie der Haus Braganza angelegt wurde, gelangen wir zur Schulallee und weiter zum Bahnweg. Beim kleinen Greißler besorgen wir uns noch eine Jause für unterwegs.
Über die Hauptstraße gehen wir zum Schlossweg. Am Waldrand marschieren wir geradeaus an der Infotafel des Waldlehrpfades vorbei und folgen dem Weg in den Wald hinein. Die Steigung ist hier angenehm und gleichmäßig, während uns der Mischwald aus Buchen, Eichen und Föhren begleitet.
An einer Weggabelung steht eine große Holzhütte mit mehreren Informationstafeln, auf denen Sagen und Geschichten aus der Region erzählt werden. Rechts führt ein Pfad hinauf zur Ruine Türkensturz. Dabei handelt es sich um eine künstliche Ruine, die im 19. Jahrhundert unter den Fürsten von Liechtenstein als romantisches Aussichtsbauwerk angelegt wurde. Der Sage nach soll hier während der Türkenkriege ein mutiges einheimisches Mädchen ihre Verfolger mit List auf die Felsen gelockt haben, sodass diese in die Tiefe stürzten – daher der dramatische Name. Von hier oben eröffnet sich ein schöner Blick über die sanften Hügel der Buckligen Welt.
Anschließend kehren wir zum Hauptweg zurück und folgen nun der oberen Route durch den dichten Wald in Richtung der imposanten Burg Seebenstein. Die hoch über dem Ort auf einem markanten Felsen thronende Burg zählt zu den ältesten und eindrucksvollsten Höhenburgen Niederösterreichs. Ihre Ursprünge reichen vermutlich bis ins 11. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach erweitert und umgebaut und gehörte verschiedenen Adelsgeschlechtern. Besonders prägend war später der Besitz durch die Fürsten von Liechtenstein, die die Anlage im 19. Jahrhundert romantisch umgestalteten. Die mächtige Ringmauer, der Bergfried und die terrassenförmig angelegten Innenhöfe geben noch heute einen guten Eindruck von der einstigen Wehrhaftigkeit der Burg. Aufgrund ihrer Lage bietet sie zudem beeindruckende Ausblicke über das Pittental und die Vorberge der Buckligen Welt. Heute befindet sich die Anlage in Privatbesitz und ist nur von außen bzw. bei besonderen Anlässen zugänglich.
Wir wandern durch den unteren Torbogen der Burganlage weiter. Bald erreichen wir die Templerhöhle. Die etwa zehn Meter tiefe Höhle liegt etwas oberhalb des Weges in der Felswand. Einer lokalen Sage zufolge versteckte sich hier einst eine kleine Schar von Tempelrittern, nachdem der Templerorden im frühen 14. Jahrhundert aufgelöst worden war. Der Legende nach wurden sie schließlich von den Bewohnern von Seebenstein entdeckt und besiegt.
Wir halten uns anschließend links und erreichen wieder den Waldlehrpfad, der uns durch den schattigen Wald zurück nach Seebenstein führt.

In die Stopfenreuther Au


Bei frühlingshaftem Wetter Anfang März fahren wir nach Stopfenreuth und parken beim Spielplatz neben dem Damm. Vorbei am geschlossenen Gasthaus – ein neuer Pächter wird gesucht – folgen wir zunächst dem Dammweg. Links am Hang blühen tausende Schneeglöckchen und verwandeln den Damm in ein weißes Band.
Bald orientieren wir uns an den Wegweisern der Stopfenreuther Donaurunde und gehen in den Nationalpark Donau-Auen hinein. Nachdem wir den Damm überquert haben, stehen wir jedoch vor einem Gitter: Schilder informieren, dass der Wanderpfad der Donaurunde wegen Bauarbeiten bis nächstes Jahr gesperrt ist.
Also ändern wir spontan die Route und folgen dem Donauradweg auf dem Damm. Zwischen den Steinen krabbelt ein schwarzer Käfer – und bald entdecken wir noch mehrere davon. Es handelt sich um seltene, schwarzblau schimmernde Schwarzblauer Ölkäfer, deren Abwehrsekret stark giftig ist.
Hinter einer Hochwasser-Messlatte führen Stufen zwischen den Schneeglöckchen hinunter. Am Waldrand entlang erreichen wir schließlich die Uferstraße. Von hier gehen wir weiter Richtung Donau. Bald steht rechts ein Kriegerdenkmal, links ein hoher Stein mit den Hochwasserständen der Rekordjahre.
Kurz darauf erreichen wir den Stopfenreuther Altarm, wo auch eine Bootsrutsche zum Wasser hinunterführt. Einige Autos stehen weiter vorne am Straßenrand. Wir kommen zur Au-Terrasse und steigen auf die Aussichtsplattform.
Hier schrieb die Landschaft Geschichte: In dieser Gegend fand 1984 die Besetzung der Stopfenreuther Au statt – ein Protest gegen das geplante Donaukraftwerk Hainburg. Die Aktion führte schließlich zum Stopp des Projekts und gilt als Meilenstein der österreichischen Umweltbewegung.
Wir gehen noch ans Donauufer. Von hier blicken wir auf die Hainburgbrücke, auf die drei Hainburger Berge und hinüber nach Bad Deutsch-Altenburg. Ein paar Steine fliegen ins Wasser, dann machen wir uns auf den Rückweg und gehen auf der Uferstraße gemütlich zurück zum Auto.

Donaurunde Eckartsau im März


An diesem sonnigen ersten März fahren wir nach Eckartsau. Wir parken beim Fußballplatz und gehen in den Schlosspark. Rund um die Bäume blühen überall Schneeglöckchen. Wir verweilen am Spielplatz neben dem Schloss und spazieren danach durch den Schlosspark. Das Haus des Baumes und dahinter die Fischzuchtteiche sind noch relativ neue Attraktionen hier. Über die lange Holzbrücke und bei der Steinbrücke links kommen wir aus dem Park und direkt hinein in den Nationalpark Donau-Auen.
Die Donaurunde ist ein schöner, ca. 8 km langer Rundweg. Los geht’s, zunächst vorbei am Holzigel und über den Hochwasserschutzdamm, auf dem der Donauradweg zwischen der Brücke bei Hainburg und der Wiener Lobau geführt wird. Dann geradeaus in den Wald hinein; rechts hängen hochgezogene alte Abwurfstangen zwischen den Bäumen. Bei einem Schilfgürtel geht es rechts weiter. Dann erreichen wir die große Wiese. Hinten stehen einzelne riesige Bäume, und es geht wieder in den Wald hinein.
Da liegt ein mächtiger Baum vor uns auf dem Weg, und wir müssen ihn auf einem schmalen Pfad zwischen tausenden Schneeglöckchen hindurch umrunden. Wir erreichen die Wiese mit den Holzpflöcken. Dann geht es bei der Abzweigung rechts ins Unterholz in Richtung Donau. Im Wald liegen grüne, von Moos komplett überzogene Baumstämme. Dann ist alles voll mit grauem Donauschlamm vom letzten Hochwasser.
Wir erreichen den Treppelweg und gehen am Donauufer rechts weiter. Die vielen Halbinseln, die man hier sonst betreten kann, sind alle von der Donau überspült. Viel Schmelzwasser anscheinend – hat es doch noch vor sieben Tagen kräftig bei uns geschneit. Dann führt uns der blaue Weg weiter auf der Donaurunde nach rechts und über Wiesen in den Auwald hinein. Wir erreichen den Ort „Hier ruht die Jagd“.
Dann geht es über den Damm und auf der anderen Seite zunächst nach rechts zu den Tieren. Die Rinder stehen gerade alle an der gefüllten Futterkrippe versammelt. Am Gatter und am Waldrand entlang geht es weiter, bis ich den Pausenplatz beim alten Stamm am Hauptweg erreiche. Dahinter liegt die große Weide mit den schottischen Hochlandrindern, die fröhlich mit ihrem Nachwuchs grasen.
Wir wandern zurück zum Schloss Eckartsau. Es ist später am Nachmittag, und die Schneeglöckchen haben ihre Blüten schon geschlossen. Es wird kälter, und wir fahren nach Hause.